Ratgeber
Zisternengröße berechnen: Dachfläche, Niederschlag, Bedarf
Kurz erklärt
Das nutzbare Zisternenvolumen liegt üblicherweise bei 6 bis 8 Prozent des Jahresertrags: Dachfläche (m²) × Jahresniederschlag (mm) × Abflussbeiwert × 0,9 Filterwirkungsgrad ergibt den Ertrag in Litern. Bei 150 m² Dach, 700 mm Regen und Ziegeldach (0,8) sind das rund 75.000 l pro Jahr – daraus folgt eine Zisterne von etwa 4.500 bis 6.000 l.
Eine zu kleine Zisterne läuft im Sommer leer, eine zu große kostet unnötig Geld und Einbauraum. Die Dimensionierung ergibt sich immer aus zwei Rechnungen: dem möglichen Regenertrag des Dachs und dem tatsächlichen Wasserbedarf der angeschlossenen Verbraucher. Der kleinere der beiden Werte begrenzt die sinnvolle Speichergröße.
Schritt 1: Regenertrag des Dachs
Der Jahresertrag berechnet sich als projizierte Dachfläche in Quadratmetern multipliziert mit dem örtlichen Jahresniederschlag in Millimetern, dem Abflussbeiwert des Dachs und einem Filterwirkungsgrad von etwa 0,9. Maßgeblich ist die Grundfläche des Dachs, nicht die schräge Dachhaut.
| Dachart | Abflussbeiwert | Hinweis |
|---|---|---|
| Ziegel- und Betondachstein, Schrägdach | 0,75–0,85 | Standardfall bei Wohnhäusern |
| Metall- und Glasdach | 0,90–0,95 | Sehr geringe Verluste |
| Flachdach mit Kies | 0,50–0,60 | Speicherwirkung der Schüttung |
| Extensives Gründach | 0,20–0,30 | Hoher Rückhalt, gefiltertes Wasser |
Schritt 2: Bedarf der Verbraucher
- Gartenbewässerung: 60 bis 120 l pro m² und Jahr, abhängig von Bepflanzung und Sommerwitterung.
- WC-Spülung: rund 8.000 bis 12.000 l pro Person und Jahr.
- Waschmaschine: etwa 4.000 bis 6.000 l pro Haushalt und Jahr.
- Putz- und Reinigungswasser: 500 bis 1.500 l pro Jahr.
Die Speichergröße deckt anschließend die typische Trockenperiode ab. In Deutschland rechnet man mit drei Wochen ohne nutzbaren Niederschlag: Tagesbedarf × 21 ergibt das erforderliche nutzbare Volumen. Liegt dieser Wert über 8 Prozent des Jahresertrags, ist der Bedarf höher als das Dach liefern kann – dann ist eine Trinkwassernachspeisung Pflicht.
1. Dachfläche aufnehmen
Grundfläche des Daches in m² ermitteln, mehrere Dachflächen einzeln erfassen und nur die tatsächlich angeschlossenen addieren.
2. Niederschlag nachsehen
Örtlichen Jahresniederschlag in mm für die Postleitzahl aus den Daten des Deutschen Wetterdienstes verwenden.
3. Ertrag berechnen
Fläche × Niederschlag × Abflussbeiwert × 0,9 ergibt den nutzbaren Jahresertrag in Litern.
4. Bedarf gegenrechnen
Jahresbedarf aller Verbraucher addieren und mit dem Ertrag vergleichen; der kleinere Wert ist die Planungsgrundlage.
5. Volumen festlegen
Tagesbedarf × 21 Tage als nutzbares Volumen ansetzen und auf die nächste handelsübliche Behältergröße aufrunden.
Häufige Planungsfehler
- Speicher zu groß gewählt: Wasser steht lange, die Qualität sinkt und die Investition rentiert sich nicht.
- Überlauf ohne Rückstausicherung oder ohne Anschluss an Versickerung bzw. Kanal geplant.
- Saugleitung zu dünn oder mit zu vielen Bögen – die Pumpe erreicht die gewünschte Fördermenge nicht.
- Filter zu klein: Bei Dachflächen über 100 m² ist ein Filter mit ausreichendem Durchsatz erforderlich.
Häufige Fragen
- Wie groß sollte eine Zisterne für ein Einfamilienhaus sein?
- Für Gartenbewässerung genügen meist 3.000 bis 5.000 l. Wird zusätzlich das WC versorgt, sind 5.000 bis 8.000 l sinnvoll – abhängig von Dachfläche, Niederschlag und Personenzahl.
- Reicht eine Saugpumpe oder brauche ich eine Tauchpumpe?
- Bis etwa 7 m Höhenunterschied zwischen Wasserspiegel und Pumpe arbeitet eine selbstansaugende Pumpe zuverlässig. Bei tieferen Zisternen oder langen Saugwegen ist eine Tauchdruckpumpe die robustere Lösung.
- Muss Regenwasser aufbereitet werden?
- Für Garten, WC und Waschmaschine genügt eine mechanische Filterung plus beruhigter Zulauf und schwimmende Entnahme. Eine Aufbereitung auf Trinkwasserqualität ist technisch aufwendig und für Hausanlagen unwirtschaftlich.
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